Was wir glauben

Blick auf volle Kirchenbänke

Die evangelische Kirche A.B. in Österreich ist eine christliche Kirche und steht mit vielen anderen christlichen Kirchen auf dem festen Grund der Bibel und zusätzlich in der Tradition der Reformation nach Martin Luther. In Österreich sind wir eine Minderheitskirche und leben in weiten Teilen unseres Landes in der Diaspora. Wir sind um ein gutes Verhältnis mit unseren Schwestern und Brüdern in anderen christlichen Kirchen bemüht. Es wird uns nicht immer leicht gemacht.

Wir feiern das Abendmahl als eines der beiden biblischen Sakramente in beiderlei Gestalt, d.h. Brot und Wein bzw. Traubensaft wird allen Getauften bei der Feier gereicht. Alle Christinnen und Christen sind eingeladen, mit uns das Abendmahl zu feiern, denn es ist nicht der/die PfarrerIn und auch nicht die Kirche, sondern Jesus Christus selbst ist es, der uns an seinem Tisch einlädt.  Die „Wandlung“ von Brot und Wein geschieht im glaubenden Empfangen nicht in der Hand des Pfarrers.

Mit dem zweiten biblischen Sakrament der Taufe nehmen wir Kinder und ungetaufte Erwachsene in unsere Kirche auf und sprechen ihnen Gottes Segen zu. Seit 1982 gilt eine gegenseitige Anerkennung der Taufe unter den meisten christlichen Kirchen, d.h. egal in welcher Kirche ein Mensch getauft wurde und egal zu welcher Kirche derselbe Mensch gehören möchte, eine Wiederholung der Taufe ist in keinem Fall nötig und sinnvoll. Die Zusage Gottes, seine Liebe, gilt ein für alle Mal. Diese beiden biblischen Sakramente feiern wir in unserer Kirche als die, die Jesus Christus uns aufgetragen hat.

In unserer Kirche leben wir die Gleichberechtigung von Mann und Frau, d.h. alle Ämter sind uneingeschränkt beiden Geschlechtern zugänglich, sei es ehrenamtlich oder angestellt, im weltlichen und im geistlichen Amt, auf jeder Ebene unserer Kirche.

Wir bekennen uns zum Priestertum aller Gläubigen. Wir alle sind von Gott berufen, sein Wort in der Welt weiterzusagen. Doch sind uns verschiedene Talente geschenkt. Nach unseren Begabungen steht einer auf der Kanzel, ein anderer besucht Menschen, ein anderer gestaltet Kindergottesdienste, ein anderer schafft Gemeinschaft. Schon Martin Luther war davon überzeugt, dass wir in allem was wir tun, Gott loben, der Pfarrer wie der Bäcker, der Arzt und auch der Bürgermeister, wenn wir dieses Tun nach Gottes Geboten ausrichten.

Wir sind davon überzeugt, dass Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze sind, die einander ausschließen. Die Erforschung unserer Welt hat uns Menschen viel Gutes gebracht, hat uns das Heilen vieler Krankheiten ermöglicht und uns das Leben auf der Erde angenehm gemacht. Wir glauben aber, dass eine freiwillige Selbstbeschränkung des Menschen in der Forschung unbedingt notwendig ist. Wir müssen uns darauf besinnen, dass die Forschung nicht auf jenen aufbauen darf, die sich nicht wehren können.

Wir glauben trotz aller gegenteiligen Erfahrungen an die Möglichkeit der Gerechtigkeit auf dieser Welt. Gott hat diese Welt in ein geordnetes System gebracht, das sich selbst erhalten kann. Gott hat den Menschen berufen, auf seine Welt zu achten, sie zu pflegen und sie zu nützen. Auch hier ist die freiwillige Selbstbeschränkung des Menschen notwendig, nicht alles zu tun, was getan werden kann, nicht alles zu kaufen, was gekauft werden kann, nicht alles zu besitzen, was besessen werden kann. Vor Gott sind alle Menschen gleich, ob im Norden, Süden, Osten oder Westen. Viele Menschen werden ausgebeutet, um wenigen Menschen das Leben angenehmer zu machen. Dagegen versuchen wir zu leben. Wir versuchen, denen eine Stimme zu geben, die nicht rufen können, und denen aufzuhelfen, die allein nicht stehen können.

Wir glauben an einen barmherzigen Gott, der uns mit sich versöhnt hat durch Jesus Christus. Wir sind trotz aller Fehler von Gott geliebt. Unsere Fehler werden nicht von ihm geahndet, denn Gott ist uns gnädig. Aus dieser uneingeschränkten Liebe Gottes, die uns geschenkt ist, leben wir – und tragen die Botschaft Jesu Christi in die Welt, jeder und jede nach der Begabung, die uns gegeben ist.