Flüchtlingshilfe Blog

"Als ich in einem meiner Facebook-Postings wieder einmal die verzweifelte Lage der Flüchtlinge im Mittelmeer beschrieben hatte, bekam ich darauf einen Kommentar, der sich mir eingeprägt hat: "Irgendwann werden mich meine Enkel fragen, was ich damals getan habe, als ich davon wusste, wie viele Menschen täglich bei der Überquerung des Meeres sterben, oder was ich unternommen habe gegen das Unrecht, das Flüchtlingen wiederfährt", schreibt der Facebook-Nutzer Mario Schwaiger und fährt fort: "Soll ich dann sagen: Ich habe moralische Diskussionen mit Leuten geführt, die meinten, das Boot sei voll? Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ich mich rechtfertigen muss." Dem ist nichts hinzuzufügen. - 18. Juni 2015"

gelesen bei Karim El-Gawhary, Mathilde Schwabeneder, Auf der Flucht, Reportagen von beiden Seiten des Mittelmeers, Wien 2015

Mi, 03/02/2016 - 12:43 -- d.schwimbersky

Ganz schön komplizierte, wenn man die Sache so anlegen möchte, dass es für alle Beteiligten etwas bringt, bzw. nicht frustrierend endet. Deutschkurse für das Haus Liebhartstal. Erst dachte ich, es gibt es so viele, da brauchen wir nicht extra auch noch ein Angebot. Falsch gedacht, einerseits sind die Kurse alle voll, andererseits haben Menschen mit laufenden Asylanträgen keinen Anspruch auf bezahlte Deutschkurse, weil es ja fraglich ist, ob sie in Österreich bleiben können. Auf der anderen Seite ist die Langeweile eines der quälendsten Dinge im Haus Liebhartstal. Es würde mich wahnsinnig machen, wenn ich den ganzen Tag in diesem Haus wäre und nichts zu tun hätte. Angetrieben von der Hoffnung auf Asyl würden viele Menschen dort gerne schon Deutschkurse besuchen, und zwar Kurse die dann auch mit Prüfungen enden könnten.

Hm, gar nicht so leicht, was braucht man da, damit das ordentlich funktioniert?

Man nehme eine VHS, die weiß, wie man Menschen auf ihre Sprachkenntnisse testet,

man nehme auch zwei Handvoll SprachlehrerInnen aus Ottakringer Schulen – danke an alle, die sich hauptsächlich aus dem Gymnasium Maroltingergasse dazu bereiterklärt haben – ich finde das so cool. J

Man nehme auch Räumlichkeiten ganz in der Nähe, damit die Interessierten keine Fahrscheine benötigen, da bietet sich das Pensionistenwohnheim Liebhartstal gleich gegenüber an, das ist super, oder eben in der Schule, oder vormittags halt bei uns in der Kirche.

Was hier so schnell und einfach klingt ist ein ziemlicher Organisationsaufwand. Wer und wie viele Menschen überhaupt an Deutschkursen interessiert sind, ist die Frage. Denn viele möchten ja gar nicht Österreich bleiben, sie möchten so bald wie möglich zurück nach Hause. Sobald dieser schreckliche Krieg ein Ende hat möchten sie wieder zurück. Ich verstehe das, besonders wenn Teile ihrer Familie noch in Syrien und Afghanistan leben.

Ich ziehe meinen Hut vor allen KollegInnen, die ja als Sprachlehrer allesamt Schularbeitsfächer haben. Da wird die Arbeit nicht zu knapp, auch wenn das in den Medien nicht wertgeschätzt wird. Und trotzdem sind sie bereit, 2 Stunden pro Woche zusätzlich ehrenamtlich zu unterrichten.

Nun sollen die Einstufungen im Februar im Haus Liebhartstal angeboten werden, bis dahin brauchen wir 3er-Lehrerteams, die dann Ende Februar mit den Kursen beginnen: A1 und A2 – Kurse werden es wohl werden. Mal sehen, wie sich Angebot und Nachfrage treffen.


Weihnachten im Schuhkarton

Mi, 23/12/2015 - 20:51 -- d.schwimbersky

3 Wochen habe wir nun Werbung gemacht, gesammelt, eingekauft – Gutscheine, Süßigkeiten und Nüsse – Spielzeug und Kuscheltiere gewaschen und gebürstet, in Schuhschachteln verpackt und in Geschenkpapier gewickelt. Die SchülerInnen der Maroltingergasse waren mit Feuereifer dabei. Der Packerlstapel auf den Lehrerkästchen im Konferenzzimmer wuchs von Tag zu Tag. Die letzten Pakete haben wir schnell noch um ½ 10 Uhr aus den Klassen geholt – denn fertig haben heißt ja noch lange nicht, dass man das auch abgeben muss.

Ein Christbaum für das Haus Liebhartstal

Do, 17/12/2015 - 06:26 -- d.schwimbersky

Es war schon dunkel als ich gestern mit den Vorbereitungen für den Schulgottesdienst fertig war. 1 Stunde hab ich noch Zeit, schnell noch die Schwimmkerzen besorgen und dann schau ich noch bei Erwin Wally vorbei. Eine Mitarbeiterin im Haus Liebhartstal hat mir mit großen Augen ihren Wunsch mitgeteilt: ein Christbaum für den Eingangsbereich, das wäre toll. Da würde für alle gleich Weihnachtsstimmung aufkommen. Weihnachten? In einem Haus, in dem doch vor allem Muslimische Familien und Jugendliche wohnen? Ist das nicht eher komisch? Nein, es ist nicht komisch.